26.09.2019

Anja Knaub im Interview

Anja Knaub ist eines der Gründungsmitglieder unseres heutigen Mountainbike-Teams toMotion Racing by black tusk – sie war bereits Mitglied, als das Team unter dem Namen „Trisource Racing Team“ und unter der Leitung seiner heutigen Teamchefin Andrea Potratz seine Zentrale in München hatte.

Die Stadt München ist Anjas Wohnort – dort arbeitet sie als Kindergartenleiterin und Erzieherin und baut nebenher zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Dagmar Schliwa ihr eigenes Unternehmen auf: die Move for brain GbR, bei der die beiden als Trainerinnen für Life Kinetik und Visualtraining tätig sind.

Nachdem sie im frühen Erwachsenenalter als Auswahlspielerin beim FC Bayern München war, ihre Fußballkarriere aber bereits mit 21 Jahren verletzungsbedingt beenden musste, begann Anja eher notgedrungen mit dem Biken. Doch auch in dieser Sportart fand sie bald Freude an Wettkämpfen und entwickelte sich mit der Zeit zur ausgesprochenen Langstreckenspezialistin. Ihre größten Erfolge feierte die Münchnerin in den Jahren 2014 bis 2016, als sie dreimal in Folge Europameisterin im 12-Stunden Mountainbike Marathon wurde und sich 2016 außerdem den 12-Stunden-Weltmeistertitel erkämpfte. 2017 gewann sie ihr Heimrennen, das 24-Stunden-Rennen im Olympiapark München. Ihre Frau Judith hielt ihr dabei immer den Rücken frei und unterstützte sie in all ihren sportlichen Unternehmungen. Inzwischen haben sich Anjas Prioritäten etwas verschoben, wodurch sie nicht mehr so viel Zeit in ein strukturiertes Training investieren kann und will. Weshalb sie sportlich nun deutlich kürzer tritt, erfährst du in unserem Interview:

Hallo Anja, bitte stelle dich kurz vor.

Anja Knaub – 47 Jahre, München.

Wer gehört sonst noch zu deiner Familie?

Meine Frau Judith, meine Familie und ihre Familie.

Welchen Beruf übst du aus? Was gefällt dir daran?

Ich leite in München einen Kindergarten und bin seit 25 Jahren als Erzieherin tätig. An dieser Arbeit hat mir vor allem der persönliche Kontakt zu den Kindern gefallen: ihnen in allen Bereichen etwas beizubringen, sie in ihrer Persönlichkeit zu unterstützen, weiter zu entwickeln und zu begleiten hat mir all die Jahre viel Freude bereitet. Leider nimmt die Arbeit als Leiterin immer mehr überhand und die Bürokratie hindert mich daran, die Dinge zu tun, die ich wirklich gerne gemacht habe. Deshalb habe ich nach Alternativen gesucht, um in Zukunft vielleicht etwas anderes machen zu können.

2016 habe ich zusammen mit Dagmar Schliwa Move for Brain GbR gegründet. Wir sind dabei als Trainerinnen für Life Kinetik und Visualtraining tätig, bieten Gesundheitstage für Firmen an und geben Fortbildungen in Schulen zu diesem Thema.

 

 

Was bedeuten dir Sport im Allgemeinen und das Mountainbiken im Besonderen?

Sport hat mein ganzes Leben geprägt. Schon von Kindheit an hatte ich nur Sport im Kopf. Als ich nach Tennis mit 16 Jahren endlich Fußball spielen durfte, ging es auch ganz schnell voran mit meiner Karriere. Als Schwäbische Auswahlspielerin wurde ich vom FC Bayern entdeckt und kam so mit 18 Jahren nach München. Dort hatte ich drei tolle Jahre, bis ich mich schwer verletzte und mir die Ärzte sagten, dass ich nicht weiter spielen könne. Das war für mich eine ziemlich krasse Zeit. Im Grunde gab es für mich dann nur noch zwei Sportarten, die ich machen konnte. Radeln und Schwimmen.

Da war schnell klar, dass die Entscheidung auf radeln fallen würde. Richtig los ging es da aber auch erst nach einer überstandenen schwierigen Krankheitsphase mit 32. Inzwischen war ich aber schon immer wieder mit dem MTB unterwegs gewesen. Zu Weihnachten bekam ich dann einen Gutschein für eine Leistungsdiagnostik bei Andrea Potratz (damals noch Hiller) geschenkt. Zunächst war ich noch eher zurückhaltend, was Rennen-fahren betraf, und im B-Team vom Moooove mehr nur dabei.

Irgendwann bekam ich dann mein erstes richtiges Rad, die Ergebnisse wurden besser und ich bewarb mich für ein Co-Sponsoring. Seitdem bin ich mit Leidenschaft dabei und zusammen mit Gwenda ältestes Teammitglied. Eine wirklich tolle Zeit auf dem Bike begann. Natürlich liebe ich nach wir vor die Bewegung und die Erlebnisse beim Biken.

Fährst du Rennen und wenn ja, was sind deine Lieblingsrennen?

Mittlerweile habe ich meine Liebe für Langstrecken entdeckt. Je länger, desto besser. Ich durfte ja 2016 12h-Weltmeisterin in Weilheim werden und habe den 12h-EM-Titel zwischen 2014 und 2016 dreimal gewonnen, 2016 zusammen mit Sabine Loacker. Zum Abschluss konnte ich 2017 noch mein Heimrennen beim 24h-Rennen in München gewinnen.

 

 

 

 

Dieses Jahr hatte ich mich für das Race Around Austria Challenge Rennen angemeldet und vorbereitet. Für die 560 km und 6500 hm wurde ich von Andrea Potratz bestens vorbereitet, mein Team stand und es wäre sicher eine sehr gute Platzierung dabei heraus gekommen. Leider wurde ich krank und konnte nicht teilnehmen. So war es ein sehr enttäuschender Abschluss für mich, denn es ist für mich klar, dass ich so strukturiert in Zukunft nicht mehr trainieren kann, weil ich es zeitlich mit Weiterbildung nicht mehr schaffen werde.

So bleibt aber die Erinnerung an die vielen tollen Rennen und auch, dass ich für mich in meiner sportlichen Karriere alles erleben konnte, was ich mir erträumt hatte. Ein wirklich schönes Gefühl.

Sport auf einem gewissen Niveau treiben zu dürfen ist ein Privileg und ich bin sehr dankbar für alle Aufs und Abs. Beides gehört einfach dazu und am meisten gelernt habe ich bei den „Abs“.

Gibt es für dich noch etwas anderes als Arbeit und Mountainbiken?

In manchen Phasen – sicher. Je nach Zielsetzung – nein.

Wie schaffst du es, dein Training mit Beruf und Familie bzw. Freunden in Einklang zu bringen?

Es ist schon schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen. Meine Familie und Judith haben mich all die Jahre sehr unterstützt, da hatte ich großes Glück. Viel Zeit bleibt da nicht, wenn man für sich Ziele wie die WM oder das Race Around Austria definiert. In diesen Zeiten hat sich immer alles dem Sport untergeordnet. 

Wie viele Stunden pro Woche arbeitest du und wie viele trainierst du?

Je nach Zielsetzung und Trainingssteuerung – zwischen 8 h und 16 h.

Ich setzte mich unter der Woche meist morgens um 5 Uhr auf die Rolle. Die langen Einheiten gab es am Wochenende.

Ich mache seit einem Jahr 5 x die Wochen Visualtraining und 5 x die Woche Neuroathletiktraining oder 1 x die Woche Life Kinetik. Die Zeit hierfür aufzubringen und dafür weniger Ausdauereinheiten zu fahren, hat sich voll ausgezahlt. Seitdem hat sich mein Leben komplett verändert, ich bin viele leistungsfähiger in allen Bereichen. Nur deshalb kann ich mit 47 Jahren noch solch eine Leistung bringen. Ich bin überzeugt, dass die Arbeit an Gehirn und Augen jeden Sportler extrem weiterbringen kann.

Ansonsten arbeite ich 30 Stunden pro Woche im Kindergarten und 10 Stunden für Move for Brain GbR.

Passt du deine Ernährung an deinen Sport an und worauf achtest du?

Ja, nachdem ich einen extrem trägen Fettstoffwechsel hatte, hat es sich sehr ausgezahlt, auf die Ernährung zu achten. Früher brauchte ich für kurze Rennen 10 Gels – heute nur die Hälfte.

Andrea hat mich auch dabei sehr unterstützt und die Low-Carb-Ernährung und die Nüchtern-Fahrten haben bei mir sehr gut angeschlagen.

Wie sieht ein typischer Tag unter der Woche bei dir aus?

Radeln, Neuroathletik- und Visualtraining, lernen für die Weiterbildung zur Visualtrainerin und Neuroathletiktrainerin, Kindergarten und Zeit mit Judith verbringen.

Welche Begegnung (beim Mountainbiken oder außerhalb des MTB-Sports) bleibt dir in schöner Erinnerung?

Die Hochzeit mit Judith.

Woran erinnerst du dich in der vergangenen Saison besonders gern?

Naja, nachdem die Saison eher unglücklich verlief – vielleicht das Abfahren der Race Around Austria Strecke und den Super-Dolomiti in Lienz.

Außerdem bin ich seit Sommer ohne Rückenschmerzen – was ich dem Visualtraining und Neurotahletiktraining zu verdanken habe.

Welche Ziele hast du dir für die Saison 2019 gesetzt?

Mein Wissen an Interessierte weiterzugeben und lernen, lernen, lernen.

 


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