28.05.2020

Auf zwei Rädern zum höchsten Punkt der Erde: Everesting 2020 by Daniel Bürgin

Er ist der Mann fürs Extreme in unserem Mountainbike-Team toMotion Racing by black tusk. 24h-Rennen gehören für Daniel Bürgin schon fast zur Tagesordnung. Eine besondere Ultrabike-Challenge aber war auch für ihn neu – und wird wohl auch ein einmaliges Erlebnis bleiben: ein Everesting. 8848 Höhenmeter „am Stück“, ohne Schlafpause. Daniel hat diese Herausforderung Anfang Mai angenommen und nahe seines Heimatortes Steinen im Schwarzwald einen passenden Anstieg ausgewählt, den er für das Everesting fünfzig Mal erklimmen wollte. Veranschlagte Zeit: rund 15 Stunden.

Die Regeln des Everestings sind einfach: man suche sich einen Berg und fahre diesen so lange hoch, bis man die 8.848 Meter Höhe des Everests erreicht hat. Dabei muss man immer denselben Berg erklimmen, darf keine Schlafpause machen, nicht schieben und muss das ganze entsprechend auf Strava aufzeichen. If it´s not on Strava, it didn´t happen! Rundkurse und Halfpipe-Steigungen sind bei der Auswahl der Strecke nicht erlaubt:

Das von Daniel gewählte Segment am Scheinberg bei Maulburg im Schwarzwald ist 1,9 Kilometer lang bei einer durchschnittlichen Steigung von knapp 10 %. Frei nach dem Motto „gäbe es eine Straße auf den Mount Everest, wäre diese sicherlich nicht asphaltiert“ hat er sich bei dieser Aktion für sein Mountainbike und eine Schotterstrecke entschieden.

 

Um sechs Uhr früh fällt der Startschuss und begleitet von seinem Teammate Thomas startet Daniel auf den ersten von fünfzig geplanten Aufstiegen. Daniel – inzwischen Experte in Sachen Selbstmotivation – hat sich Etappenziele gesteckt: zunächst die virtuelle Feldberg-Passhöhe im Schwarwald mit 1.270 Höhenmetern, dann die Zugspitze mit knapp 3000 Metern.

„Nach der Zugspitze, auf dem Weg zum 4.480 Meter hohen Matterhorn, wurde es hässlich. Eigentlich waren für diesen Tag Sturm und Regen angekündigt, doch ab 12 Uhr hatten wir hier 31,7 Grad im Anstieg und wurden gegart wie das Rinderhüftsteak auf einem Webergrill“, erinnert er sich. Ungefähr zu dieser Zeit erklärt Thomas, der sich vorgenommen hatte, Daniel zu begleiten „soweit die Beine tragen“, die Aktion für sich für beendet.

Daniels Motivation zum Weitermachen wird durch die Ankunft seiner Familie und Teamkollege Sascha gerettet. Außerdem schiebt sich ein Wolkenfeld vor die Sonne, das ihm eine Gelegenheit zum Durchatmen gibt. „Zu diesem Zeitpunkt ist das Weitermachen tatsächlich an dieses Wolkenfeld geknüpft. Weitere zwei Stunden im Garofen hätte ich nicht geschafft. Gegen Nachmittag feuert die Sonne nochmals aus allen Rohren, aber immerhin sind jetzt größere Abschnitte der Steigung im Schatten. Bei diesen Gegebenheiten schaffe ich immer zwei Aufstiegen und gehe dann kurz vom Bike, um mich runter zu kühlen“.

Auch das Bewusstsein, dass er ein Everesting nur ein einziges Mal versuchen wird, treibt ihn an: „Mir war die ganze Zeit bewusst, wenn ich nach 5K, 6K oder gar nach 7K Höhenmeter hier raus gehe, ist diese Challenge für immer beendet und es wird keine weitere geben. Denn ich müsste ja erst wieder 5K, 6K oder 7K fahren, um wieder an denselben Punkt zu gelangen. Also gibt es nur zwei Optionen: will ich ein Everesting gemacht haben oder will ich es nicht.“

Als seine Familie nach Hause geht, liegen noch rund 2800 Höhenmeter vor Daniel. Er beschließt, die Schlagzahl nochmals zu erhöhen und so wenig Stopps wie möglich einzulegen. Als er sich zwei Stunden später erstmalig wieder bei seiner Frau Pamela meldet, ist diese bereits so in Sorge um ihn, dass sie sich zusammen mit ihren Eltern aufgemacht hat zum Scheinberg. Schwiegerpapa Dieter und Pamela setzen sich ans Feuer und sagen „Brings zu Ende, wir warten hier solange.“ Zwei Stunden später knackt Daniel die 8848 Höhenmeter nach nur 49 Aufstiegen. „Eigentlich habe ich das Ziel erreicht, einen Aufstieg früher als berechnet, aber nach kurzer Rücksprache ist klar, ich soll noch einmal hoch. Was, wenn bei dem Strava-Abgleich die Höhenmeter korrigiert werden und ich dann irgendwo bei 8.830 Höhenmetern lande? Unvorstellbar, dieser Gedanke! Ich rausche ins Tal, hänge noch einen letzten Aufstieg an und fahre die fünftschnellste Uphillzeit des Tages.“ Danach steigt Daniel vom Rad, montiert es auf den Radträger und fährt mit seinen Lieben nach Hause. Damit endet das Everesting so pragmatisch und emotionslos, wie es den ganzen Tag über schon war.

Umso größer ist die Freude am nächsten Tag: die Strava Auswertung zeigt 9.125 gefahrene Höhenmeter. Die Aufzeichnung wird montags nach Australien zur Überprüfung für die Hall of Fame geschickt. Und wenig später ist es dann soweit:

Für die Gesamt-Streckenlänge unter 200 Kilometern gibt es dann sogar noch eine „Steep Climb“-Auszeichnung...

Herzlichen Glückwunsch, Daniel, zum erfolgreichen Abschluss dieser außergewöhnlichen Ultrabike-Challenge!

 

 


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