27.07.2020

BelchenHochDrei: drei Länder, drei Berge, one ride - 311 km und 4231 hm in knapp 13 Stunden Fahrtzeit

Man nehme die Distanz eines Rennrad-Klassikers (z.B. Mailand – San Remo), würze sie mit den Höhenmetern einer Tour de France Alpen-Etappe – und fertig ist die Ultrabike Challenge. In diesem Fall trug sie den Namen BelchenHochDrei, führte über drei Gipfel in drei Ländern und brachte Daniel Bürgin und Sascha Ernst mächtig ins Schwitzen. Nachdem die Grenzen zu den Nachbarländern wieder geöffnet waren, gab es für die beiden toMotion-Racing-Teammitglieder kein Halten mehr: am 4. Juli nahmen sie die Route von Steinen im Schwarzwald zum Schweizer Belchen (1099 m) über den Grand Ballon in den französischen Vogesen (1424 m) und den deutschen Belchen (1414 m) zurück nach Steinen in Angriff. Eine Tour, die sich auf insgesamt 311 Kilometer und 4231 Höhenmeter addierte.

Kurz vor fünf Uhr früh klingelte bei Daniel der Wecker. Nach einem kurzen Frühstück und einer Gesäßcreme-Orgie traf Sascha bei ihm ein und gemeinsam machten sich die beiden Freunde auf den Weg in die Schweiz. Ihr erstes Ziel war der „Schweizer Belchen“ oder „Belchenflue“, den die Einheimischen auch Bölchen nennen. Der markante Gipfel im Schweizer Jura ist „nur“ 1099 Meter hoch und wurde von den beiden toMotion-Fahrern prompt unterschätzt: „Mit dem kleinen Bölchen wollten wir ganz schnelle einen der drei Belchen eintüten, was sich sehr früh als Fehleinschätzung herausstellt. Nach dem Grenzübertritt ging es ständig bergauf und mit der Sissacher Flue stand uns eine Steigung im Weg, bevor wir den Bölchen überhaupt in Angriff nehmen konnten“, berichtet Daniel. So gestalteten sich die ersten 40 Kilometer zäher als gedacht und sorgten angesichts von „noch 270 km to go“ für ein leicht mulmiges Gefühl.

Nach einem Verpflegungsstopp an Dieter „Schwiegavaddi“ Voglgsangs Begleitfahrzeug ging es aus der Schweiz heraus Richtung Frankreich. Gut 100 Kilometer trennen den Schweizer Belchen vom Einstieg in den Grand Ballon. „Ich habe Daniel im Vorfeld gesagt, schlimm sind nicht die Steigungen, sondern das dazwischen“, erinnert sich Sascha. „100 flache Kilometer mit ekligen Wellen und Gegenwind. Wenn der Wind nur von vorne kommt, zermürbt es dich auf der Ebene“. Komoot meinte es gut mit den beiden, sorgte mit Routen durch verwinkelte Neubaugebiete und verschlungene Radwege mit bis zu 24 % Steigung jedoch dafür, dass sie sich nach kurzer Zeit dazu entschlossen „voll old school“ auf der Hauptstraße einfach den Straßenschildern zu folgen. Eine Strategie, die in der Schweiz für schnelle Kilometer sorgte, in Frankreich dann jedoch für den Supergau: urplötzlich fanden sich die zwei toMotion-Racer auf der französischen Autobahn wieder. Nix wie runter, Fahrräder über die Leitplanke und ab durchs Gebüsch. „Unter einer Autobahnbrücke passierten wir einen Wassergraben, durch ein Dornenfeld von Brombeeren, um uns auf einen Steinweg durchzuschlagen, der den Namen „Weg“ nicht verdient hatte. Wir kämpften uns an alten Militärbunkern vorbei, über Steinfelder, Matschlöcher und durch überflutete Unterführungen zurück auf den Asphalt“, berichtet Daniel. Er bezahlte das Abenteuer mit einer Quetsch-Brand-Wunde am Daumen. „Manch Dummheit bestraft der liebe Gott sofort“, kommentiert er schmunzelnd.

Der folgende Anstieg zum Grand Ballon war gespickt mit Markierungssteinen, die über Steigung und Länge des Anstiegs informierten. „Nur noch 4,5 Kilometer und 8 % Steigung, Sascha!“. Mit einem anerkennenden “Halt doch mal die Fresse“ signalisierte Sascha seinem Begleiter, dass er diese Zusatzinformation aktuell nicht benötigte.

Trotzdem war der Gipfel des Grand Ballon irgendwann erreicht. Doch mit der dann folgenden Abfahrt begann der Leidensweg des Sascha E. In der brütenden Hitze und mit einem dreimonatigen Trainingsrückstand nach einem komplizierten Fingerbruch im Dezember und mehrfacher OP hatte er ab diesem Zeitpunkt mit Übelkeit und Kopfschmerzen zu kämpfen. Es folgte die Überfahrt nach Deutschland, die Sascha dank Aspirin und Iberogast einigermaßen überlebt. Im Münstertal stieß Daniels Schwager Dominik zu dem Duo, um es den deutschen Belchen hinauf zu begleiten. Diesen letzten Anstieg erlebten die beiden toMotion-Fahrer völlig unterschiedlich. Sascha: „Ab jetzt fährst du nur noch mit dem Kopf, die Beine funktionieren nur noch, weil dein Verstand es will. Nach 265 km ist das hier kein Wunschkonzert“. Aufgeben keine Option, nicht zu diesem Zeitpunkt. Jetzt kam auch der berühmte Satz auf: „WARUM machst du das überhaupt???“ Daniel hingegen: „Es wird kühl und mein Körper ist im Wohlfühlmodus. Die rund 15 Kilometer Anstieg wollen mir besser gelingen als die Höhenmeter zuvor. In der Abenddämmerung beginnt der Aufstieg zum Belchenhaus. Gleich ist´s vorbei, ich schalte nochmals zwei Gänge dicker und erreiche um 20.45 Uhr den Gipfel des letzten Belchen des Tages.“ 

Mit Licht bewältigte die kleine Gruppe anschließend die verbliebenen 36 Kilometer zurück nach Steinen. „Was für eine ereignisreicher Tag! Die Schweiz war deutlich zäher und langwieriger als gedacht, mein geliebtes Elsass weniger schön als gewohnt und der deutsche Belchen deutlich leichter als befürchtet. Viel ging gut, viel daneben, aber es bleibt ein tolles Erlebnis, welches lange in Erinnerung bleibt“, lautet Daniels Fazit.

 

 

 

 

 


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