06.06.2019

Benjamin Cloudt im Interview

Seit Herbst 2018 hat toMotion Racing by black tusk ein neues Mitglied, das total begeistert ist von unserem Team: Ben Cloudt aus Gelnhausen am Rande des Spessarts. Das Nachwuchstalent hatte eine äußerst erfolgreiche Saison 2018 im Gepäck: abgesehen von der Albstadt Trophy beim Team-Saisonabschluss, bei der er sich bereits in der Saisonpause befand und die er „just for fun“ mitfuhr, beendete er im vergangenen Jahr jedes seiner Rennen auf dem Podium.

Ähnlich erfolgreich ist Ben auch in die Saison 2019 gestartet – mit aktuell vier Podiumsplatzierungen. Gerade volljährig geworden, hat er sich für dieses Jahr wieder viel vorgenommen, wobei es ihm vor allem die langen, harten Rennen angetan haben: die Salzkammergut Trophy, der Montafon C3, der Kronplatz oder die Eiger Bike Challenge. Sein großer Traum ist eine Teilnahme an der Transalp Challenge, für die er momentan aber noch zu jung ist.

Mit seinen beiden Geschwistern bildet Ben eine starke Einheit – über seinen großen Bruder Dominic kam er als Sechsjähriger zum Mountainbiken. Seine Freizeit verbringt der Gymnasiast neben dem Mountainbike-Training vor allem mit seinen Hunden – und abends nimmt er dann auch seine Schulbücher zur Hand. Welche unglaubliche Leistung auf dem Mountainbike Ben bereits als Sechzehnjähriger erbracht hat, erfährst du in unserem Interview:

Hallo Ben, bitte stelle dich kurz vor.

Servus, ich bin der Benjamin, bin 17 Jahre jung und komme aus Gelnhausen, am Rande des Spessarts und Vogelsberg.

Wer gehört sonst noch zu deiner Familie?

Hier wohne ich zusammen mit meinen Eltern und unseren drei Bearded Collies. Mein großer Bruder, durch den ich zu dem tollen MTB Sport gekommen bin, wohnt mittlerweile mit seiner Frau und seinen zwei Hunden in der Nähe von München am Ammersee. Meine große Schwester wohnt zusammen mit ihrem Freund ein paar Kilometer entfernt von uns.

 
 

Du gehst noch in die Schule - was gefällt dir dort, was machst du nicht so gern?

Ich gehe im Moment in die 11. Klasse eines beruflichen Gymnasiums mit dem Schwerpunkt Wirtschaft. Am meisten gefallen mir Fächer wie Mathe und Chemie, aber auch die Fächer, die ich durch den Schwerpunkt dazu bekommen habe (Rechnungswesen und Wirtschaft), gefallen mir gut. Mit Deutsch kann ich mich leider nicht ganz so anfreunden, aber man kann ja auch nicht immer alles mögen.

Was bedeuten dir Sport im Allgemeinen und das Mountainbiken im Besonderen?

Sport ist für mich der perfekte Ausgleich, um meine Kraft nach einem anstrengenden Schultag raus zu lassen. Als ich noch jünger war, hab ich Fußball gespielt und mich jeden Mittag mit Freunden getroffen, um ein wenig zu kicken, habe aber auch im Verein auf der 6 gespielt. Nach Möglichkeit geh ich in der MTB-freien Winterzeit noch zum Training.

Mit 6 Jahren kam dann so langsam das Biken dazu, durch meinen Bruder, der damals für Zwillingscraft fuhr. In St. Ingbert fuhr ich dann in der U7 mein erstes Mountainbikerennen und wurde direkt Erster. Seitdem ist das mit dem Fußball immer mehr zurückgegangen und das Biken zum Teil meines Lebens geworden. Mit dem Fußballspielen hörte ich dann komplett auf, als ich mir vor fünf Jahren bei einem Spiel einen doppelten Oberarmbruch holte. Am selben Tag hatte meine saisonale Radpause damals aufgehört und es sollte mit dem Trainingsplan wieder weiter gehen. Von da an konzentrierte ich mich nur noch auf das Fahrradfahren, nachdem der Bruch ausgeheilt war.

Heute ist das Fahrradfahren eine Leidenschaft für mich geworden, die mich jeden Tag aufs neue motiviert, gegen mich selbst anzutreten und mich selbst fertig zu machen.

Gibt es für dich noch etwas anderes als Schule und Mountainbiken?

Neben der Schule und dem Biken geh ich an ein paar Tagen die Woche auch bei uns im Ort in der Werkstatt eines Fahrradgeschäftes aushelfen, um mir neue Teile zu finanzieren. Der Inhaber war früher selbst Profi und ich konnte schon viel von ihm fürs Schrauben lernen.

Wie schaffst du es, dein Training mit Schule und Familie bzw. Freunden in Einklang zu bringen?

Ich versuche, mich so oft wie möglich mit Freunden zu treffen, aber sie haben auch  Verständnis dafür, dass mir das Biken so am Herzen liegt und ich alles dafür gebe. Klar muss man da manchmal ein paar Abstriche machen, wenn es in der Schule und im Sport gleichzeitig in die heiße Phase geht und sich alle am Wochenende treffen und man am liebsten mitgehen möchte, aber nicht kann, weil man sich auf das nächste Rennen vorbereitet.


Dafür ist meistens die Freude der Freunde groß, wenn es ein Top-Ergebnis beim Rennen gab. Da nicht jedes Wochenende ein Rennen ist, klappt das auch mit dem Feiern gehen. :-)

Wie viele Stunden pro Woche arbeitest du für die Schule und wie viele trainierst du?

Es hört sich blöd an, aber für die Schule mache ich meistens erst abends was, weil ich da einfach besser lernen kann. Meistens setze ich mich dann zwei Stunden hin und dann ist es auch getan für den Tag. Wenn es um mein Training geht, dann versuch ich es immer nach der Schule zu machen, um mich auszupowern. Wenn Joggen auf dem Trainingsplan steht, nehm ich auch immer gerne einen von unseren Hunden mit. In der Woche habe ich zwei ruhige Tage, an denen ich dann meistens auf die Blackroll gehe oder aufs Sensoboard, um zu entspannen. Insgesamt würde ich sagen, dass ich in der Woche im Schnitt ca. 12-14 Stunden trainiere.

Passt du deine Ernährung an deinen Sport an und worauf achtest du?

Die Woche vor den Marathonrennen versuche ich meistens, mich von Kohlenhydraten und Salat und Obst zu ernähren, um meinen Speicher wieder voll zu bekommen. Sonst achte ich nur darauf, dass ich nicht allzu viel fettige und süße Sachen esse. Das war‘s dann aber auch schon... ich glaub, ich hab es ganz gut im Griff mit nur 6 % Körperfettanteil.

Wie sieht ein typischer Tag unter der Woche bei dir aus?

Eigentlich sollte mein Tag um 6 Uhr anfangen, meistens bleib ich dann aber noch bis um kurz vor 7 im Bett liegen und mach mich dann innerhalb von 15 Minuten fertig für die Schule.


Wenn ich dann um 13:30 Uhr, zweimal die Woche um 16:00 Uhr, nach Hause komme, gibt es erst mal was zu essen, um danach dann trainieren zu gehen. Hab ich das abgeschlossen, ruhe ich mich erst mal aus und schau meistens Netflix. Enden tut das dann eigentlich immer damit, dass ich einschlafe und von einem unserer Hunde wieder geweckt werde. Normalerweise ist es dann auch schon Abend und ich gehe mit einem von den Hunden spazieren oder zum Agility Training. Wenn ich dann wieder heim komme, esse ich erst mal etwas, damit wieder genug Konzentration da ist, um etwas für die Schule zu machen. Mein Tag endet dann in den meisten Fällen damit, dass ich mir meine Schulsachen noch ein letztes Mal im Bett durchlese und dabei einschlafe.

Welche Begegnung (beim Mountainbiken oder außerhalb des MTB-Sports) bleibt dir in schöner Erinnerung?

Im Sommer mache ich immer gerne mit unserem ältesten Hund Agility, das ist quasi wie ein Hindernisparcours, durch den der Mensch den Hund leiten muss. Es ist für Aiden, Abbey und mich immer Erholung pur... unser Jüngster, Calou, ist noch zu klein dafür.

Link zum Agility-Video

Im Winter freue ich mich immer wieder riesig, wenn es endlich wieder auf die Bretter geht und ich mit Freunden Ski fahren gehen kann. Wir sehen uns sonst im Jahr eigentlich nicht, da ist die Freude ziemlich groß und deshalb sind wir dann auch meistens jeden Tg zusammen unterwegs und haben unsere Gaudi.

Vor zwei Jahren (mit 16) bin ich im Sommer in den Südtiroler Dolomiten den Stoneman von Roland Stauder gefahren, der mehrfacher WorldCup Gesamtsieger wurde auf der Marathon Langdistanz. 135 Kilometer und 4200 Höhenmeter hatten wir vor, an drei Tagen zu fahren. Ich war mit Abstand der jüngste Fahrer. Anfangs konnte niemand von den anderen Fahrern wirklich glauben, dass ich das überhaupt schaffen würde. Aber als wir dann an die Anstiege kamen, an denen jeder sein Tempo gefahren ist, hat sich bewiesen, dass sie falsch gelegen hatten. Wenn einer klein und nicht gerade muskulös aussieht, bedeutet das nicht gleich, dass da nichts dahinter stecken kann. Es war definitiv eine Erfahrung wert, den Stoneman zu bestreiten, alleine wegen der ganzen Trails bergab, und mir meine Kraft richtig einzuteilen, damit ich am letzten Tag nicht da steh und nichts mehr auf die Reihe bekomme.

  

Woran erinnerst du dich in der vergangenen Saison oder auch in den ersten Monaten dieses Jahres besonders gern?

Ein besonders schönes Ereignis war der toMotion Teamabschluss letztes Jahr, wo ich zu toMotion gestoßen bin und die meisten schon mal kennengelernt habe. Darauf folgte dann das Teamtreffen in Lindau, wo ich wieder neu Gesichter gesehen und vorgestellt bekommen habe.

Das absolute Highlight in den letzten Monaten war dann für mich das Trainingslager mit dem Team in den Osterferien. Wir haben von Tag zu Tag immer mehr zusammen gefunden und uns besser verstanden. Wir haben uns gegenseitig geholfen, wenn jemand Hilfe brauchte. Es war aber nicht nur das Fahrrad fahren, was mir da so sehr gefallen hat, sondern der Spaß mit den Leuten, die ich dort besser kennengelernt habe.

Welche Ziele hast du dir für die Saison 2019 gesetzt?

Letztes Jahr hatte ich nicht die Zeit dazu, internationale Rennen zu fahren, wie die vorangegangenen zwei Jahre. Deshalb freue ich mich so sehr auf den Sommer, wo diese Rennen kommen werden, u.a. die Salzkammergut Trophy und Montafon C3 auf jeden Fall, evtl. noch Kronplatz oder wie vor zwei Jahren die Eiger Bike Challenge.
Das letzte Jahr U19 möchte ich mitnehmen, um mich auf die U23 und die Langdistanz vorzubereiten. Trotzdem versuche ich auch, meine Podiumsserie beizubehalten.

Ein Ziel, was ich dieses Jahr nicht erreichen kann, weil ich noch zu jung bin, ist die TransAlp zu fahren. Da liegt definitiv noch ein weiter Weg vor mir. Ich möchte es aber sehr gerne versuchen, das Ziel nächstes Jahr zu erreichen, am liebsten zusammen mit einem/r Fahrer/in des toMotion Teams.

Allgemein freu ich mich noch auf viele Rennen mit diesem tollen Team!

Hier noch ein paar Fotos von Ben:

  

  

   


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