06.08.2019

Heiß umkämpfter Sieg in der Emilia Romagna

Sie wollten einfach nicht locker lassen: beim achttägigen Etappenrennen Appenninica Mountainbike Stage Race hatten es Danièle Troesch vom Lindauer Team toMotion Racing by black tusk und ihre Teampartnerin Lorenza Menapace mit gleichwertigen Gegnerinnen aus Großbritannien zu tun, die ihnen vier von acht Tagessiegen streitig machten. In der Gesamtwertung des erstmalig ausgetragenen Rennens, das vom 20. bis 27. Juli in der italienischen Emilia Romagna stattfand, hatte dann jedoch das französisch-italienische Duo die Nase vorn und sicherte sich den Sieg.

Der Apennin ist ein Gebirgszug, der sich über rund 1500 Kilometer entlang des gesamten „italienischen Stiefels“ erstreckt. Diese Berge waren 2019 erstmalig Austragungsort eines achttägigen Mountainbike-Etappenrennens für Zweierteams und Solofahrer. Zu dem neuen Rennen hatten sich nur zwei Damen-Teams angemeldet, die sich im Verlauf des Rennens einen heißen Kampf lieferten. Jedes der beiden Duos konnte vier Etappen für sich entscheiden.

Danièle Troesch hatte in der Italienerin Lorenza Menapace eine perfekte Teampartnerin gefunden – sowohl leistungsmäßig, als auch menschlich. „Nie gab es Druck oder Stress, auch wenn eine von uns müde wurde. Wir unterstützten uns gegenseitig, damit wir zusammen so schnell wie möglich das Ziel erreichten. Mit Lorenza habe ich eine wunderschöne Woche erlebt“, beschreibt Troesch die „Fahrgemeinschaft“. Dabei sahen sich die beiden nicht nur mit zwei starken Gegnerinnen aus Großbritannien konfrontiert, sondern auch mit allerhand Widrigkeiten.

So stellte sich bei der ersten vollwertigen Etappen über 79 Kilometer und fast 2500 Höhenmeter heraus, dass die Strecke schlecht beschildert und die beiden Engländerinnen darauf besser vorbereitet waren. Ein Umweg mit sechs zusätzlichen Kilometern kosteten Troesch und Menapace den Tagessieg. Daraufhin luden sie sich die Rennstrecke auf ihre Fahrradcomputer und kamen auf der Königsetappe mit 101 Kilometern und 3760 Höhenmetern gut eine halbe Stunde vor Sophie Hemming und Melanie Alexander ins Ziel. Die dritte Etappe glänzte mit einem spannenden Finish: kurz vor der Ziellinie zog das Team aus Großbritannien an Danièle Troesch und Lorenza Menapace vorbei und sicherte sich mit drei Sekunden Vorsprung den Tagessieg. Der vierte Tag war ebenso wie der Prolog ein Zeitfahren, bei dem die Teams zeitlich versetzt ins Rennen gingen. Obwohl sie sich kurz verfuhren, entschieden Troesch und Menapace diese kurze Etappe für sich und hatten nachmittags noch Zeit für ein Eis. Die fünfte Etappe war geprägt von Temperaturen nahe 40 °C, die den Teilnehmern vor allem im ersten, schattenlosen Anstieg schwer zu schaffen machten. Auch hier holte sich das Duo Troesch/Menapace den Tagessieg. Nicht so auf den beiden letzten Etappen: am folgenden Tag fuhr sich Danièle Troesch kurz vor dem Ziel einen großen Nagel in den Reifen und legte die letzten drei Kilometer zu Fuß zurück. Auch auf der Schlussetappe hatten sie gegenüber ihren Gegnerinnen das Nachsehen. Der zuvor herausgefahrene Vorsprung war jedoch so groß, dass Danièle Troesch und Lorenza Menapace nach einer Gesamt-Fahrzeit von 30 Stunden und 14 Minuten die Gesamtwertung mit einem Vorsprung von 21 Minuten für sich entschieden. „Das Rennen hat riesigen Spaß gemacht. Lorenza und ich haben uns sehr gut verstanden“, fasst die toMotion-Racerin die Woche zusammen.

 

 

Eine knappe Woche später stand die rennhungrige Französin an der Startlinie des Iron Bike Marathons in Ischgl, musste sich auf der Mittelstrecke jedoch mit Platz 11 der Damen-Gesamtwertung begnügen. „Da wollte ich wohl mit dem Kopf durch die Wand“, scherzte sie nach dem Rennen. „Knapp eine Woche nach einem Etappenrennen war das keine gute Idee. Ich war noch müde, aber die Trailabfahrt in Ischgl hat trotzdem Spaß gemacht.“ Ihr Teamkollege Mark Jagenow erkämpfte sich über knapp 50 Kilometer und 2100 Höhenmeter Rang sechs der Masters-Kategorie.

 

Ergebnisübersicht:

Appenninica MTB Stage Race (550 km, 20.000 hm in 7 Etappen plus Prolog)

Damen-Team: Danièle Troesch / Lorenza Menapace

1. Platz Prolog (9,7 km / 271 hm in 00:28:34)         
2. Platz Etappe 1 (78,6 km / 2491 hm in 6:07:47)
1. Platz Etappe 2 (101 km / 3760 hm in 7:34:47)
2. Platz Etappe 3 (51,6 km / 1850 hm in 4:06:33)
1. Platz Etappe 4 (24 km / 1030 hm in 1:45:31)
1. Platz Etappe 5 (53 km / 2055 hm in 3:56:35)
2. Platz Etappe 6 (54,3 km / 2100 hm in 3:51:31)
2. Platz Etappe 7 (33,6 km / 1200 hm in 2:14:08)

1. Platz Gesamtwertung (30:14:26 mit 21 Minuten Vorsprung auf Platz 2)

 

Iron Bike Marathon, Ischgl

Mittelstrecke (49,42 km, 2098 hm)

6. Platz Masters                Mark Jagenow (2:51:38)
11. Platz Damen               Danièle Troesch (3:29:43)
47. Platz Masters              Christian Schaaf (3:31:24)

 

Original-Rennberichte:

Danièle Troesch, 1. Platz beim Prolog des Appenninica MTB Stage Race in der Emilia Romagna, Italien:

„Dieses Jahr hat zum ersten Mal das Appenninica MTB Stage Race stattgefunden. Es ist ein ganz neues Event und ich habe mich schon lange darauf gefreut. Zu diesem Etappenrenne kann man sich entweder als 2er-Team oder als Solofahrer anmelden. Mitte Januar hat mich Lorenza Menapace gefragt, ob ich gerne mit ihr fahren würde. Insgesamt sollten wir 550 km mit 20 000 Höhenmeter fahren. Eigentlich war es ein bisschen weniger, der Veranstalter musste die Strecke ändern wegen eines Unwetters Mitte Mai.

Und so standen wir am Samstag, 20. Juli an der Startlinie in Bologna, bereit für den Prolog. 9,7 km und 271 Höhenmeter. Kurz und intensiv. Wir sind zuerst auf der Straße losgefahren, Richtung Kloster Madonna di San Luca (bekannt, weil die Fahrer beim Giro Italia auf dieser Straße gefahren sind). Es war steil und ab dem Kloster wurde es ein bisschen flacher. Die Abfahrt, teilweise auf Schotter und Trail, hat uns wieder in Bologna gebracht, wo wir als erstes Damen-Team über die Ziellinie gefahren sind.“

Danièle Troesch, 2. Platz auf der 1. Etappe des Appenninica MTB Stage Race in der Emilia Romagna, Italien:

„Nach dem Prolog gab es einen Transfer nach Berceto, wo wir übernachten haben und wo der Start der 1. Etappe stattgefunden hat. Diese Etappe war nicht ganz einfach: 78,6 km und 2491 Höhenmeter. Es gab viele Trails, deswegen war die Durchschnittsgeschwindigkeit auch nicht groß. Und wenn man sich noch mehrmals verfährt, dauert es noch länger. Es war aber echtes MTB : steile Anstiege auf Trails, Abfahrten auf Trails, schöne Aussichten, ein bisschen Asphalt, so dass sich die Arme erholen konnten, und zum Schluss Gegenanstiege ,die richtig Körner gekostet haben. Einziger Vorwurf: die Strecke war sehr schlecht ausgeschildert. Ohne GPS keine Chance, immer den richtig Weg zu finden. Als wir endlich in Castelnovo'ne Monti über die Zielllinie gefahren sind, haben wir erfahren, dass wir 2. waren, mit 10 min Rückstand auf die Ersten... und 6 km mehr. Frustrierend, denn die Mädels hatten die GPS-Daten auf den Bike Computer hochgeladen. Das war unser Fehler, und das haben wir gleich am Abend für die 2. Etappe gemacht.“

Danièle Troesch, 1. Platz auf der 2. Etappe des Appenninica MTB Stage Race in der Emilia Romagna, Italien:

„Die 2. Etappe war die Königsetappe. Ich hoffte, dass ein paar mehr Schilder auf der Strecke stehen würden, denn mit 100 km braucht mein keine Umwege. Gleich am Anfang ging es auf einer Straße berghoch, entlang dem riesigen Felsen Pietra di Bismantova. Dann kam die erste Trailabfahrt, die richtig Spaß gemacht hat. Auf einem flachen Stück konnten wir im Windschattes von zwei Männern fahren. Ab Kilometer 78 kam die letzte Steigung, bis Pian Cavallaro unterhalb von Mt Cimone. Was für eine Aussicht!!! Und was für eine Abfahrt: zuerst auf der Straße, dann Schotter und dann Trail, wo ich mich wie eine Orangina-Flasche gefühlt habe. Wir hatten riesigen Spaß und sind mit einem großen Lächeln als 1. Dameteam ins Ziel in Fanano angekommen. 7 Stunden 43 Minuten, was für ein Tag...“

Danièle Troesch, 2. Platz auf der 3. Etappe des Appenninica MTB Stage Race in der Emilia Romagna, Italien:

„Die dritte Etappe sah auf dem Höhenprofil ganz einfach aus: einmal berghoch, einmal bergrunter. Aber trotzdem durfte man diese Etappe nicht unterschätzen. Es gab immer wieder steile Gegenanstiege, die man auf dem Höhenprofil nicht sah und die die Beine tot machten. Aber diese Etappe war wunderschön. Es ging zuerst auf der Straße und dann auf Schotter hoch, und schließlich kam ein schöner Trail, auf dem wir bis zum Passo Strofinatoio gefahren sind. Die Aussicht war auch wunderschön. Den ersten Teil der Abfahrt mussten wir die Fahrräder tragen und dann gab es einen Flowtrail. Die zweitplatzierten Damen haben uns kurz vor der Ziellinie überholt und wir sind 3 Sekunden hinter den beiden in Porretta Terme angekommen.“

Danièle Troesch, 1. Platz auf der 4. Etappe des Appenninica MTB Stage Race in der Emilia Romagna, Italien:

„Genau wie beim Prolog war diese Etappe ein Zeitfahren. Die verschiedenen Teams und Solofahrer sind alle 30 Sekunden losgefahren. Ungefähr 14 km berghoch, bis auf den Monte Piella, wo man keine Zeit hatte, um die schöne Aussicht auf Porretta Terma zu genießen. Sofort ging es auf einem Trail runter und das so schnell wie möglich. Beim Runterfahren haben wir ein bisschen Zeit verloren, weil wir ein Schild nicht gesehen und die falsche Richtung genommen haben. Schnell zurück auf den richtigen Weg und 3 km vor dem Ziel ging es nochmals 2 km auf der Straße berghoch. Nach dem letzten Trail und ein paar Stufen sind wir endlich ins Ziel gekommen. Kurz und intensiv, und nachmittags hatten wir dann noch ein bisschen Zeit zum Eis essen.“

Danièle Troesch, 1. Platz auf der 5. Etappe des Appenninica MTB Stage Race in der Emilia Romagna, Italien:

„Start und Ziel für diese Etappe waren in Santa Sofia. Um das Dorf zu erreichen, sind wir am Donnerstagmorgen aus Porretta Terme losgefahren. 2 Stunden und 30 min später waren wir vor Ort. Dort mussten wir auf unsere Räder warten, die noch mit dem Veranstalter unterwegs waren. Start war um 13 Uhr, und das bei 40 °C. Es war wirklich sehr heiß, und die erste Steigung war auf der Straße und Schotter, leider ohne Schatten. Die Ärzte fuhren mit dem Motorrad von Fahrer zu Fahrer, um Wasserflaschen zu verteilen. An der ersten Verpflegungsstelle haben sogar die UCI-Kommissare den Fahrern Wasser gereicht. Aber die Etappe hat trotzdem Spaß gemacht: viele Trails, sehr schöne Aussichten.“

Danièle Troesch, 2. Platz auf der 6. Etappe des Appenninica MTB Stage Race in der Emilia Romagna, Italien:

„An diesem Tag sind wir aus Santa Sofia losgefahren Richtung Bagno di Romagna. Zuerst ging es eher flach auf einem asphaltierten Radweg, einem Fluss entlang. Nach 8 km ging es richtig berghoch bis nach Poggio alla Lastra. Eine kleine Abfahrt, dann es ging weiter berghoch bis zum Passo dei Mandrioli. Von dort aus ging es auf einem Trail runter. Ich hatte manchmal das Gefühl, in Südfrankreich beim Raid Vauban zu sein. Der Trail sah ähnlich aus: Steine, Wurzeln, dieselben Gerüche. Ein paar Kilometer vor dem Ziel gab es noch einen steilen Anstieg : "just for fun" hieß es beim Briefing. Ich habe es leider nicht lustig gefunden. Es war eine steile, gepflasterte Straße ohne Schatten, wo ich meistens mein Fahrrad schieben musste. Oben sind wir an einer Kapelle vorbei gefahren und dann ging es auf Schotter runter bis Bagno di Romagna. Aber leider mussten wir in der Abfahrt noch anhalten, weil ein riesiger Nagel meinen Reifen erwischt hatte. „Run and Bike“ hieß das Motto auf den letzten 3 km bis ins Ziel.“

Danièle Troesch, 2. Platz auf der 7. Etappe des Appenninica MTB Stage Race in der Emilia Romagna, Italien:

„Die letzte Etappe war ein bisschen kürzer. Wir sollten zweimal dieselbe Runde fahren: auf Straße, Schotter und teilweise Trail berghoch und dann auf einem tollen und technischen Trail bergrunter. Als 2. Damenteam sind wir an diesem Tag ins Ziel gekommen, aber in der Gesamtwertung sind wir Erste geworden.

Fazit: Das Rennen hat riesigen Spaß gemacht. Lorenza Menapace und ich haben uns sehr gut verstanden. Alles ging von alleine, sogar beim Rennen. Nie Stress, nie Druck, sogar wenn eine von uns sich müde fühlte. Es hieß immer, der anderen zu helfen, so dass das Team so schnell wie möglich zusammen das Ziel erreicht. Es ist nicht immer einfach, eine Frau zu finden, mit der man sich gut versteht. Mit Lorenza habe ich eine wunderschöne Woche erlebt.

Da dieses Rennen zum ersten Mal stattfand, waren nicht viele Teilnehmer dabei. Ungefähr 50 Teams und einige Solofahrer. Leider waren nur zwei Damen-Teams angemeldet, aber wir haben das Rennen trotzdem ernst aufgenommen. Unser Ziel war einfach, die Gesamtwertung zu gewinnen. Einfach war es auch nicht, weil die beiden anderen Mädels auch nicht gerade langsam unterwegs waren.“

 

Danièle Troesch, 11. Platz Damen beim Iron Bike Marathon in Ischgl, Mittelstrecke:

„Am 3. August fand der Iron Bike Marathon in Ischgl statt, knapp eine Woche nach dem Etappenrennen in Italien. Ich wusste, dass ich mich innerhalb von einer Woche sicherlich nicht erholt haben würde, aber auf ein Teamrennen in den Bergen habe ich mich gefreut. Ich hatte vor, die große Runde zu fahren. Nach 30 km hat es leider angefangen zu regnen. Regen in den Bergen bedeutet auch niedrige Temperaturen. Kaum 8 Grad in Ischgl, und wir sollten bis auf eine Höhe von 2750 m fahren. Was für ein Unterschied, wenn man an 30 Grad gewöhnt ist!!! Als ich an der Abzweigung angekommen bin, habe ich mich doch für die mittlere Strecke entschieden. Da ich die lange Strecke vor ein paar Jahren gefahren bin, wusste ich, dass ich mit ca. 6 Stunden insgesamt rechnen musste. Mit der Kälte und auch weil ich noch müde war, dachte ich, dass das kein Sinn macht. Die Trailabfahrt hat riesigen Spaß gemacht. Ins Ziel bin ich als 11. Dame gekommen.“


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