22.02.2018

Martin Schätzl im Interview

Martin Schätzl ist eine „coole Socke“. Einer, der beim Biken unglaublich ehrgeizig ist, dabei aber doch jede Menge Spaß hat und verbreitet. Nach sieben „Wanderjahren“ ist er 2017 in seine Heimatstadt Passau im Bayerischen Wald zurückgekehrt. „Wichtig sind mir gutes Bier, Österreich, Berge und gute Freunde“, zählt er schmunzelnd auf. Übers Jahr verteilt gelingt dem toMotion-Racer immer mal wieder ein großer Wurf: in der Saison 2017 beispielsweise ein 3. Platz in der Hauptklasse Männer auf der Extremstrecke der KitzAlpBike sowie zwei 2. Gesamt-Plätze auf der Mittelstrecke der World Games of Mountainbiking in Saalbach-Hinterglemm und bei der 12h-Weltmeisterschaft 2017 im 6er-Team. Eine Saisonbilanz, die sich sehen lassen kann. Mit seinen zarten 26 Jahren hat Martin die Zukunft noch vor sich - sowohl auf den Mountainbike-Rennstrecken dieser Welt, als auch beruflich und privat. Was er beruflich macht und welche Ziele er sich für die Saison 2018 gesteckt hat, erfährst du in unserem Interview:

Hallo Martin, bitte stelle dich kurz vor.

Mein Name ist Martin Schätzl, komme aus der Nähe von Passau im bayerischen Wald. Sieben Jahre glänzte ich mit Abwesenheit, doch seit letztem Jahr bin ich wieder dort wohnhaft.

In dieser Zeit bin ich wohl mal in einen Jungbrunnen gefallen, denn mein jugendliches Aussehen täuscht manchmal über meine 26 Lebensjahre weg. Erst letztens wurde ich auf 22 geschätzt – Andrea, die Bewerbung fürs TNT ist raus ;)

Wer gehört sonst noch zu deiner Familie?

Zwei Elternteile und zwei Geschwister. Ich nehme die Rolle des Jüngsten ein und wohne aktuell alleine bei meinen Eltern.

Welchen Beruf übst du aus? Was gefällt dir daran?

Ich bin Versuchsingenieur für PKW-Achsgetriebe bei einem führenden Automobilzulieferer mit Hauptsitz unweit von Lindau. Am Standort Passau beschäftige ich mich mit der Erprobung von Aggregaten aus unterschiedlichen Projekten. Das Faszinierende ist die Symbiose aus Theorie und Praxis sowie die Interaktion aus Entwicklung und Validierung.

Lebensweisheit aus dem Job: fehlt oder bricht ein Zahnrädchen, funktioniert i.d.R. das ganze Getriebe nicht mehr.

Was bedeuten dir Sport im Allgemeinen und das Mountainbiken im Besonderen?

Sport ist ein Stück weit eine Lebenseinstellung. Hat man sie sich erst einmal angeeignet, prägt sie einen in den unterschiedlichsten Formen. Angefangen hat es recht holprig. Gerne wollte ich immer, wie meine Grundschulkameraden, Fußball spielen. In der dritten Klasse versuchte ich es dann. Aufgrund meiner starken Asthmaerkrankung war ich alles andere als ein Dauerläufer, sondern begann nach kurzer Dauer und Distanz zu hecheln. Das war wohl das Beste, was der Sport mir eingebracht hat. Einen langen Atem und Linderung der Krankheit. Seit nunmehr drei Jahren verzichte ich auf jegliche Einnahme von Medikamenten. Das bedeutet mir extrem viel.

MTB verbinde ich mit einem Gefühl von Freiheit, was ich bereits in jungen Jahren verspürte. Erst während des Studiums, im Jahre 2013, richtete ich meinen Fokus auf den Radsport, dafür aber bewusster als auf den Fußball mit neun Jahren. 2014 zeigte mir das erste XC-Rennen, welchen Spaß der Kampf gegen Strecke, Gegner und einen selbst macht – sodass ich die Adrenalinschübe durch kontinuierliche Verbesserung aufrechterhalten wollte.

Gesagt, getan: zum Spaß kamen natürlich mehr und mehr Ehrgeiz und das ganze Drumherum. Zugegebenermaßen bin ich nach wie vor eher einer der „lockeren“ Sorte und geh auch mal augenscheinlich „blauäugig“ in ein Rennen. Gerade dieser Überraschungseffekt ist vor allem nach einem guten Ergebnis der besondere Kick.

 

 

Gibt es für dich noch etwas anderes als Arbeit und Mtb?

Auf jeden Fall – Essen! Spaß beiseite, wobei ich tatsächlich ein Vielfraß bin…
Es gibt so viele schöne Dinge im Leben – fremde Orte/Kulturen, aber auch Freunde und andere Sportarten. Ich versuche mein bestes, meinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.

Dennoch (und deshalb ist diese Frage berechtigt) klappt neben einem Vollzeitjob und dem Status als ambitionierter Amateursportler nicht alles. Diese beiden Dinge werden klar priorisiert und man baut alles andere drum rum.

An dieser Stelle möchte ich an die Frauenwelt appellieren: verliert nicht den Mut und vor allem nicht die Geduld mit mir!

Wie schaffst du es, dein Training mit Beruf und Familie bzw. Freunden in Einklang zu bringen?

Hier kommt wieder das Thema Priorisierung ins Spiel. Auf einen reichen Erfahrungsschatz sowie ein über Jahre ausgetüfteltes Zeitmanagement kann ich (noch) nicht zurückgreifen. Oft siegt der Wille, gepaart mit Spontanität, einem Hauch Wahnsinn und etwas Mithilfe von netten Menschen. Alle, die sich angesprochen fühlen - danke dafür!

Wie viele Stunden pro Woche arbeitest du und wie viele trainierst du?

Meine 35 Std./Woche ist ein Privileg, das nicht viele genießen können. Hinzu kommt ein Gleitzeit-Modell, welches mir in einem festgelegten Rahmen Mehr-/Minderarbeit zulässt.

Das Training gestaltet sich je nach Saisonstandpunkt. Als Fahrer im Co-Sponsoring von toMotion Racing folge ich fast uneingeschränkt den Anweisungen von Andrea.
6 bis 15 Std. Training pro Woche sind die Regel.

Im Winter stemme ich Gewichte und im Sommer sitze ich überwiegend auf dem Rad.
Dabei probiere ich verschiedene Sachen aus wie Freeletics, Cross-Fit, Olympisches Gewichtheben und typische Wintersportarten.

Passt du deine Ernährung an deinen Sport an und worauf achtest du?

Ja, das gehört ganz klar dazu. Vorstellung und Tatsachen gehen hierbei wohl am deutlichsten auseinander. Umwelt-/Feldeinflüsse machen einem das Leben schwer und ich kann nicht immer nein sagen. Wenn ich mal loslege, bin ich eine Vernichtungsmaschine für Leckereien, da gibt’s dann kein Halten mehr. Am besten ist, nichts „Böses“ in greifbarer Nähe zu haben...

Letztes Jahr war ich sehr strikt, was jedoch auch ab und an eine psychische Belastung darstellte, weshalb ich dieses Jahr etwas lockerer an dieses Thema herangetreten bin.

Ich befinde mich sozusagen in einer Findungsphase.

Wie sieht ein typischer Tag unter der Woche bei dir aus?

Grundsätzlich bin ich kein Fan von "typischen Wochentagen", aber here we go:

5:30 Uhr klingelt der Wecker, zehn Sekunden später stehe ich im Bad und danach gibt’s Frühstück.
Zwischen 06:30 und 07:00 Uhr beginne ich mit der Arbeit. Die gut 25 km Wegstrecke lege ich dabei mit dem Auto zurück.
Mittags bleibt die Kantine bei mir kalt – hier ernähre ich mich ausschließlich vom Salatbüffet. Danach folgt der Endspurt bis ca. 16:00 Uhr.17:00 Uhr Zuhause und halbwegs angekommen gibt’s etwas Warmes. Zwischen 18:00 und 19:00 Uhr beginne ich mit dem Training. Im Sommer verschiebt sich das Ganze nach vorne.
Bis das alles über die Bühne gelaufen ist, vergeht ein Weilchen. Gegen 22:00 Uhr schleiche ich dann ins Bett und sollte im besten Falle unmittelbar schlafen.

Woran erinnerst du dich in der vergangenen Saison besonders gern?

Mein Highlight und Höhepunkt fand tatsächlich am Saisonende statt. Die World Games of Mountainbiking in Saalbach Hinterglemm. Hier erwischte ich einen bärenstarken Tag und fuhr den zweiten Gesamtplatz auf der zweitlängsten Marathondistanz mit 58 km und 2920 hm ein.

Das eigentliche Highlight folgte danach. Zieleinlauf am frühen Nachmittag und Siegerehrung spät am Abend. Alle hatten was zu feiern (zumindest den Saisonabschluss) und das war einfach eine geile Stimmung, wie ich sie noch nicht erlebt hab. Dass ich dann etwas beschwipst auf dem Podest stand, während die deutsche Nationalhymne erklang, lässt mich noch immer schmunzeln.

Welche Ziele hast du dir für die Saison 2018 gesetzt?

Meine Ziele haben sich über die Jahre nicht verändert: stetige Verbesserung.

Dass man da natürlich mal an Grenzen stößt oder stagniert, ist klar. Das ist aber bisher nicht passiert. In diesem Sinne werde ich 2018 topmotiviert bei Etappenrennen und überwiegend österreichischen Rennserien an den Start gehen. Im April geht‘s mit der Mitas 4-ISLANDS in Kroatien los.

Gesundheit steht aber über allem – Gott schütze uns!


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