21.08.2018

Mountainbiken im Reich von Dracula

In den Zentral-Karpaten im Herzen Rumäniens erleben Mountainbiker beim Carpathian MTB Epic „eine der letzten wirklich wilden Regionen Europas“, so der Veranstalter. Rund einen Monat nach ihrer erfolgreichen Transalp-Teilnahme stellte sich Danièle Troesch vom Lindauer MTB-Rennstall toMotion Racing by black tusk den Herausforderung des viertägigen Etappenrennens und wurde am Ende mit Rang 7 des Elite-Damen-Feldes belohnt. Max Friedrich bestritt an diesem Wochenende gleich zwei Rennen und nahm einen fünften und einen vierten Platz mit nach Hause. Beim Zauberwaldrennen in Birkenfeld spielte Jos van Sterkenburg auf der sehr technischen Strecke seine Fahrtechnik-Stärke aus und wurde Dritter bei den U17-Junioren.

Im Gegensatz zu den Alpen sind die Karpaten noch kaum touristisch geprägt. Das Hochgebirge mit seinem rauen, ursprünglichen Charakter ist jedoch allemal eine Reise wert – auch für Mountainbiker. Mit dem Carpathian Mountainbike Epic findet dort ein viertägiges Etappenrennen statt, bei dem UCI-Punkte vergeben werden. In diesem Jahr stellten sich Danièle Troesch und ihr Lebensgefährte Olivier Guth (Team VCSCP) der starken, internationalen Konkurrenz und nahmen die 180 Kilometer und rund 8500 Höhenmeter des Carpathian MTB Epic unter die Stollenreifen. Ein Erlebnis der besonderen Art, das ihnen neben wunderschönen Flowtrails und grandiosen Bergpanoramen auch steile Schiebepassagen, Gewitter und Regen bescherte.

Danièle Troesch, die sich am ersten Tag beim zehn Kilometer langen Prolog Rang sechs der Damen-Lizenz-Kategorie erkämpft hatte, wurde am zweiten Tag von einem technischen Defekt an der Kette ihres Bikes ausgebremst. Nach rund zwanzig Kilometern mussten mehrere verdrehte Kettenglieder entfernt werden, wodurch ihr auf den verbleibenden vierzig Kilometern nicht mehr alle Gänge zur Verfügung standen. So rutschte sie an diesem Tag auf Rang acht ihrer Kategorie ab. Den dritten Tag, der mit sechzig Kilometern und 3300 Höhenmetern aufwartete, konnte sie bis zum zweiten Berg genießen. Mehrere steile Schiebepassagen am zweiten langen Anstieg, einsetzender Regen  und eine Flussdurchquerung ließen sie dann jedoch das Ziel herbeisehnen, welches sie wiederum auf Platz acht erreichte. Die Schlussetappe, die etwas weniger Höhenmeter aufwies als die vorangegangenen beiden Etappen, konnte sie dann noch einmal richtig genießen. „Ab Kilometer zwanzig waren wir im Piatra Craiului National Park unterwegs. Es ging an Wasserläufen und Felswänden entlang. Wunderschön!“ Ihr siebter Tagesrang sicherte ihr dann auch in der Gesamtwertung der Elite-Damen Platz sieben. Ihr Lebenspartner Olivier Guth, der in seiner Kategorie – ebenso wie Danièle Troesch – der einzige Franzose war, stand in der Gesamtwertung ganz oben auf dem Altersklassen-Podium.

  

Auch Max Friedrich war an diesem Wochenende aktiv und startete gleich bei zwei Rennen. Beim SKS Sauerland Marathon wählte er die Mittelstrecke mit 59 Kilometern und 1545 Höhenmetern. „Es lief immer besser und es machte sogar mal wieder Spaß!“, erinnert sich der Entwicklungsingenieur, der sich in diesem Jahr mit seinem Label „MaXalami“ selbständig gemacht hat. Mit Platz fünf seiner 68-köpfigen Altersklasse ist er nicht hundertprozentig glücklich, aber „unter den gegebenen Umständen durchaus zufrieden“. Am Folgetag stand er dann noch an der Startlinie des Viactiv Rhein-Main-Cup Rennens am Hofgut Adamstal bei Wiesbaden. Dort hatte die Lizenz-Kategorie Runden von rund 2500 Metern Länge zu bestreiten. „Die Strecke war recht griffig und machte trotz oder gerade wegen der Technikanforderungen richtig Spaß. Gute Kurventechnik war hier vor allem gefragt, und mit der PTN Pepi's Tire Noodle im Reifen hatte ich da recht hohe Reserven an Grip. Lustig war die "Schnecke", in der man jede Runde einen Drehwurm bekam.“ Mit sieben Runden in 47 Minuten 43 Sekunden erreichte Friedrich am Ende Rang vier, mit nur 18 Sekunden Rückstand auf einen Podiumsplatz.

  

Jos van Sterkenburg spürte beim Cross-Country-Zauberwaldrennen in Birkenfeld die Belastungen seiner vielen Renneinätze in dieser Saison und ging mit schmerzenden Beinen ins Rennen. „Die sehr technische Strecke war jedoch absolut meins“, erinnerte er sich. Zwei der drei Runden legte er auf Position zwei liegend zurück, konnte dann jedoch in der Schlussrunde einen schnell angezogenen Sprint des bis dahin Drittplatzierten nicht mehr parieren und rutschte noch auf Rang drei der 15-köpfigen U17-Konkurrenz ab.

 

Ergebnisübersicht:

Carpathian MTB Epic (180 km, 8500 hm)

Prolog (10 km, 500 hm)

6. Platz Elite       Danièle Troesch (0:46:02)

Etappe 1 (60 km, 2700 hm)

8. Platz Elite       Danièle Troesch (5:33:12)

Etappe 2 (60 km, 3300 hm)

8. Platz Elite       Danièle Troesch (6:31:04)

Etappe 3 (60 km, 2500 hm)

7. Platz Elite       Danièle Troesch (4:55:37)

Gesamtwertung Elite Damen

7. Platz              Danièle Troesch (17:45:55)

 

SKS Sauerland Marathon, Mittelstrecke (59 km, 1545 hm)

5. Platz Sen2      Max Friedrich (2:24:48) (von 68 AK-Fahrern)

 

MTB Rhein-Main-Cup, Hofgut Adamstal

4. Platz Lizenz    Max Friedrich (0:47:43 – 7 Runden à 2500 m)

 

Zauberwaldrennen, Birkenfeld (XCO – 9 km, 300 hm)

3. Platz U17        Jos van Sterkenburg (0:34:16)

 

Original-Rennberichte:

Danièle Troesch, 7. Platz Elite Gesamtwertung beim Carpathian MTB Epic:

Prolog: „Mitte August bin ich nach Romania geflogen. Dort hat der Carpathian MTB Epic stattgefunden. Es ist ein Etappenrennen: 1 Prolog und 3 Etappen. Ein gute Gelegenheit, um die Berge von Dracula zu entdecken. Da ich am Dienstag schon vor Ort war, konnte ich die Strecke des Prologs abfahren. Sie war eher kurz: 10 km mit steilen Anstiegen, teschnischen Abfahrten und zwei kleinen Sprüngen. Die Strecke hat mir gleich gut gefallen. Am Start des Prologs war ich nicht besonders entspannt. So kurze Einheiten bin ich lang nicht mehr gefahren, außer einem Rennrad- Einzelbergzeitfahren. Ich habe versucht, so schnell wie möglich über diese 10 km zu fahren. Dafür habe ich 46 Minuten 2 Sekunden gebraucht und war dann 6. der Damen-Elite-Wertung.“

Etappe 1: „Die erste Etappe war 60 km lang mit 2700 Höhenmeter. Es ging zunächst auf und ab. Nach ungefähr 8 Kilometern ging es dann richtig berghoch im Wald. Ein paar Kilometer vor der erste Verpflegung kamen wir aus dem Wald raus und da konnten wir die schöne Aussicht genießen. Es ging dann auf der Wiese entlang dem Bergkamm weiter. Es war anstrengend, weil es teilweise steil war, und wir mussten öfters schieben. Aber es hat sich gelohnt, denn danach kam ein schöner Flow-Trail. Und da passiert es... plötzlich konnte ich nicht mehr treten: meine Kette war kaputt. Keine Ahnung, was schief gelaufen ist. Wahrscheinlich habe ich einen Stein erwischt. Auf jeden Fall waren Glieder verdreht. 3 Glieder weggemacht, mit dem Kettenschloss die Kette wieder zubekommen und weiter gefahren. Die Kette war dann zu kurz: ich konnte weiter fahren, durfte aber manche Gänge nicht benutzen. Da waren es noch 40 Kilometer bis ins Ziel, wo ich später als 8. Dame angekommen bin.“

Etappe 2: „Die zweite Etappe war 60 km lang mit 3300 Höhenmetern. Auf dem Höhenprofil sah es eher einfach aus: 2 längere Berge, 2 kleine Berge und dann noch 10 Kilometer bis ins Ziel. Der erste Berg war fast derselbe wie bei der erste Etappe, dann kamen eine schöne Abfahrt auf Wiese und dann ein steiler Trail mit Kurven im Wald. Es hat riesig Spaß gemacht. Der zweite Berg war etwas ganz anderes. Ab der zweiten Verpflegungsstelle ging es auf Schotter hoch, und dann im Wald. Und es wurde immer steiler. Schieben war die einzige Lösung. Ich mag steile Anstiege, aber wenn das Vorderrad nicht mehr auf dem Boden bleibt und wenn man immer wieder mit Steinen kämpfen muss, verliert man mehr Kraft als was anderes. Ich habe eine Weile geschoben. Zum Glück war ich alleine unterwegs, da hat mich niemand gehört, als ich geschimpft habe. Als ich fast am Gipfel angekommen war, gab es ein Gewitter mit heftigem Regenschauer. Es hieß dann schnell bergrunter. Aber die Abfahrt war leider nicht schnell. Durch den Regen war alles so rutschig. Außerdem war es keine richtige Trailabfahrt, sondern ein Weg, dan der Veranstalter "gebaut" hat, im Wald zwischen den Bäumen. Langsam hatte ich die Nase voll. Ich war froh, als ich endlich an der dritten Verpflegungsstelle angekommen war. Von dort waren es noch 15 Kilometer. Die waren nicht ganz einfach. Immer wieder musste ich berghoch schieben. Wir sind sogar auf einem Weg gefahren, wo man das Gefühl hatte, dass es gerade Waldarbeiten gab. Und dann musste ich noch einen Fluss überqueren. Als ich endlich im Ziel war, war ich wieder 8. Dame. Ab dem Zeitpunkt, als es anfing zu regnen und zu donnern, war ich nicht mehr im Rennmodus. Es hieß dann nur noch das Ziel erreichen.“

Etappe 3: „Die letzte Etappe sollte ein bisschen kürzer sein. Ich hoffte nur, dass es nicht mehr so viele Schiebepassage geben würde. Die ersten 15 Kilometer sind schnell rumgegangen. Kleine Ansteigen, kleine Abfahrten, manchmal Trail, manchmal Wiese. Ab Kilometer 20 waren wir im Piatra Craiului National Park unterwegs. Da gab es eine längere Steigung, meistens auf Teerstraße und dann Schotter. Es ging entlang an Wasser und Felswänden. Wunderschön. Mit einer Trailabfahrt erreichten wir die 2. Verpflegungsstelle. Ab da waren es noch 25 Kilometer. Schotter, Trail und dann endlich die Ziellinie, wo ich als 7. Dame ankam.“

Max Friedrich, 5. Platz Sen2 beim SKS Sauerland Marathon, Mittelstrecke:

„Heute stand mal wieder eine Mitteldistanz auf dem Programm. Nachdem ich Freitag schon meinem Maxalami Stand aufbauen durfte, drehte ich noch eine kleine Runde auf der bekannten Strecke.
20 min vorm Start merkte mein lieber Schwager, dass die Lager des Vorderrades krachten. Binnen 15 min legte ich die 2 km zum Auto und zurück inklusive Lagertausch zurück. Nach Arbeitswerten berechnet war das bestimmt ein Top-Stundenlohn!!!
Nachdem wir traditionsgemäß auf den Bus warten mussten, der Grafschaft passierte, war dann auch der Start freigegeben und ich konnte mal in meine Beine rein horchen. Es lief immer besser und es machte sogar mal wieder Spaß! Außer bei den Etappenrennen in diesem Jahr war dies nämlich leider eigentlich nie der Fall.
Im Ziel war es dann AK Platz 5, der zwar noch nicht das Ziel ist, aber bei den gegebenen Umständen zurzeit sehr zufriedenstellend ist.“

Max Friedrich, 4. Platz Lizenz Viactiv MTB Rhein-Main Cup, Hofgut Adamstal:

„Mit dem Marathon vom Samstag in den Beinen folgte ich der Einladung nach Wiesbaden. Den Maxalami Stand hatte ich morgens schnell aufgebaut und genoss dann den Vormittag mit einem Frühstück auf der Veranda der Anmeldung.
Die Strecke war recht griffig und machte trotz oder gerade wegen der Technikanforderungen richtig Spaß. Gute Kurventechnik war hier vor allem gefragt und mit der PTN Pepi's Tire Noodle im Reifen hatte ich da recht hohe Reserven an Grip. Lustig war die "Schnecke", in der man jede Runde einen Drehwurm bekam. :-D
Dennoch konnte ich dem Antritt des lieben Sascha Starker nichts entgegensetzen und fuhr erst mal an zweiter Position. Zwei Runden vor Schluss wurde ich dann noch von Florian Obersteiner  kassiert und auch Constantin Kolb ließ mich kurz vor Schluss stehen. Also Holzmedaille. Naja, Podium wäre schön gewesen, aber es hat auch so echt Laune gemacht!“

Jos van Sterkenburg, 3. Platz U17 beim Zauberwaldrennen in Birkenfeld:

„Gestern fand das Zauberwaldrennen in Birkenfeld statt. Schon beim Warmfahren merkte ich, dass die Beine weh taten. Was kein Wunder ist, wenn man mehrere Wochen hintereinander jedes Wochenende ein bis zwei Rennen fährt. Jedoch war die sehr technische Strecke absolut meins, was mir vielleicht einen kleinen Vorteil gab. Bei Rennstart konnte ich als Zweiter in die Trails reinfahren und gut mithalten. Der Erste etablierte sich mit 20 m Vorsprung vor mir und einem anderen und konnte das auch so bis ins Ziel halten. Zwei der drei Runden führte ich das Duo an, währen der hinter mir Windschatten fuhr. Gegen Ende der dritten Runde konnte er sich mit einem schnell angezogenen Sprint von mir absetzen und ich wurde Dritter.“


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