26.03.2019

Ralph Nöth im Interview

Ralph Nöth ist ein Exot im Team toMotion Racing by black tusk. Er liebt sein Mountainbike und er frisst Kilometer – manchmal mehr als 600 am Stück. Ralph ist Bikepacker. Den Begriff Bikepacking kann man so definieren: „Bikepacking verbindet den Fahrspaß eines leichten Rades mit der Faszination von langen Radreisen. Durch die Verwendung spezieller Taschensysteme, die ohne Gepäckträger direkt am Bike befestigt werden, bleibt das Rad agil und geländegängig. So kann man auf Touren die ausgefahrenen Pfade verlassen und auch in unwegsamem Gelände unterwegs sein. Ob Dirtroad, Singletrack oder alter Wirtschaftsweg: Bikepacking ist das pure Abenteuer.“

Ein Abenteuer, dem sich Ralph oft und gerne stellt. Der Zeitsoldat treibt nicht nur bei der Arbeit viel Sport, sondern trainiert zusätzlich auch in seiner Freizeit. So ist er bestens gerüstet für die langen Bikepacking-Touren, die er mehrmals im Jahr unternimmt. Als nebenberuflicher Bikeguide überquert er zwei- bis dreimal pro Jahr die Alpen oder umrundet mal eben kurz Dänemark. Auch die Anreise zu Familienbesuchen wird von Ralph kreativ für ausgedehnte Radtouren genutzt. Seine Erfahrungen rund ums Bikepacking (Touren, Ausrüstung, Begegnungen) sammelt er seit kurzem auf einer eigenen Homepage namens kurbelfest.de.

Wie Ralph sich für seine großen Touren fit macht und was sein großer Bikepacking-Traum ist, erfährst du in unserem Interview:

Hallo Ralph, bitte stelle dich kurz vor.

Ich  bin der Ralph (Nöth), 36 Jahre und wohne in Großweil inder Nähe vom schönen Kochel-, Walchen- und Staffelsee.

Wer gehört sonst noch zu deiner Familie?

Mein Frau Katrin (36) und meine zwei Kids, Nils (7) und Thea (3).

Welchen Beruf übst du aus? Was gefällt dir daran?

Ich bin noch Soldat und in der Stabsarbeit tätig. Ich zähle, auch wenn es noch etwas hin ist, schon rückwärts und freue mich auf die dann neue Zeitrechnung. Nebenberuflich bin ich selbstständig als MTB-Guide, gebe Fahrtechniktraining und mache im Jahr im Schnitt zwei bis drei Alpenüberquerungen mit meinen Gruppen. Und ich betreibe ein Blogzine mit dem Schwerpunkt auf Bikepacking, Gravel und allem, was mit Self-Supported-Langstreckenfahrten zu tun hat.

 

Was bedeuten dir Sport im Allgemeinen und das Mountainbiken im Besonderen?

Enorm viel. Ich fühle mich frei beim Sport. Ich gehe Dingen nach, in denen ich aufgehen kann, wo ich mich fordern kann, die ich genießen kann, bei denen ich immer wieder neu über mich hinauswachsen kann. Mit dem MTB komme ich überall hin. Fast kein Weg, der nicht fahrbar ist. Ich kann schnell oder langsam fahren, einfach oder auf technisch schwierigen Passagen. Für mich ist das MTB wie ein großes Spielzeug, mit dem ich meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehe. Ich fahr einfach unheimlich gern mit Stollen am Rad.

Fährst du Rennen und wenn ja, was sind deine Lieblingsrennen?

Seit ca. drei Jahren fahre ich nicht mehr wirklich aktiv Rennen. Ich fühle mich auf der Langstrecke zuhause (> 500 km). Da ist jede organisierte Fahrt, egal ob sie so ausgeschrieben wird, ein Rennen. Es ist der Modus, in dem man (meine Freunde und ich) diese Dinger angeht. Ich fahre immer, was gerade geht. Ich will schnell voran kommen.

Die Transcimbrica (von Hamburg nach Skagen in Dänemark und zurück) ist ein geiler Ritt (Link zum Transcimbrica-Bericht). 1365 km bei knapp über 4000 hm. Auch der Rando Imperator von München nach Ferrara (ITA), 650 km in einem Rutsch, ist wirklich klasse.

Es gibt aber auch richtige Rennen in der Szene. So reizt mich schon lange das Transcontinental Race, das Northcape 4000 oder die Navad 1000. Ich muss nur mal die Zeit finden und das GO von zu Hause bekommen - dann bin ich definitiv am Start,

Gibt es für dich noch etwas anderes als Arbeit und Mountainbiken?

Ja, meine Familie. Meine Frau und meine Kids sind meine Basis. Ohne die geht nix.

 

Wie schaffst du es, dein Training mit Beruf und Familie bzw. Freunden in Einklang zu bringen?

Bei der Bundeswehr kann ich schon viel Sport machen. Zwar nicht immer auf dem Rad, aber laufen, Koordination, Mobility, Ausdauer allgemein, das ist ein großer Vorteil. Wenn‘s auf Familienbesuch geht, fahr ich schon mal einen Tag vorher los oder mitten in der Nacht und der Rest kommt mit dem Auto nach. Ich pendele fast jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit (ca. 12 bis 20 km einfach, je nach Strecke) und mach eine größere Runde nach Hause. Ansonsten - Kommunikation ist alles. Wenn der Rückhalt von zu Hause nicht da ist, geht es nicht.

Wie viele Stunden pro Woche arbeitest du und wie viele trainierst du?

Ich habe eine 46 Stunden Woche. Dazu trainiere ich im Durchschnitt auf 6 Tage ca. zwei bis drei Stunden am Tag.

Passt du deine Ernährung an deinen Sport an und worauf achtest du?

Nicht mehr aktiv. Ich esse kein Fleisch mehr - das ist alles. Sonst sagt mein Körper mir, was er braucht. Ich würde sagen, ich ernähre mich gesund. Viel Gemüse, Obst, wenig Zucker, viel Trinken und ab und an sündige ich auch mal gern. Und ich liebe Kaffee und Wein.

Wie sieht ein typischer Tag unter der Woche bei dir aus?

Um 5 Uhr klingelt der Wecker. Ich kümmere mich um das Frühstück für die Rasselbande und schwinge mich spätestens um 6 aufs Rad Richtung Arbeit. Wenn ich halb sechs schon los komme, schaffe ich eine Stunde, ansonsten ca. 35 Minuten bis zur Arbeit (bei gutem Wetter quer durch den Wald, ca. 30 % Trail, bei schlechtem Wetter auf der Straße bolzen). Duschen, 7 Uhr Dienstbeginn. Jeden zweiten Tag habe ich ca. 2 Std Sport im Dienst. Um 16:30 Dienstschluss, ab aufs Rad und wenn es geht, bin ich dann auf dem Weg nach Hause zwischen 1,5 und 2,5 Std auf dem Rad. Familie. Und wenn die Kids im Bett sind, mache ich mindestens jeden zweiten Tag noch was für ca 30-45 min (Mobility, Dehnen, Faszien, Kräftigung).

Woran erinnerst du dich in der vergangenen Saison besonders gern?

Ich hatte bis dato meine schönste Alpenüberquerung mit einer Gruppe, die mich als Guide direkt gebucht hatte. Ein Radverein aus dem Westen Deutschlands. Eine mega-lustige Truppe mit unglaublich emotionalen Momenten auf beiden Seiten. Und der Rando Imperator war Wahnsinn. In München gefroren, in Garmisch aufgetaut und als der Reschen hinter uns war, wurden wir bis in die Nacht von der Sonne gebraten. In der Po-Ebene war es unglaublich heiß und trocken. Einen Teil der letzten 60 km war ich bei einer Gruppe Italiener, die fuhren wie die Feuerwehr - als wären wir gerade erst gestartet, ein mörderisches Tempo. Das war Adrenalin pur.

Welche Ziele hast du dir für die Saison 2019 gesetzt?

Den Rando Imperator in 30 Stunden oder schneller.
Eine neue Route für zwei Touren, die ich guiden werde, muss noch abgefahren werden. Die Sechs-Tages-Tour werde ich mit meinem Enduro im Bikepacking Stil in 3 Tagen angreifen. Schlafe,n wo ich umfalle, essen, wo es was gibt und fahren, solange es geht.


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