22.07.2019

Stoneman Miriquidi - auf der Jagd nach dem goldenen Stein

Unser neues Teammitglied Jan Finster ist in diesem Jahr zusammen mit seinem Freund André zum ersten Mal eine Stoneman-Tour gefahren, und zwar den Stoneman Miriquidi im Erzgebirge. 162 Kilometer durch Deutschland und Tschechien, bei denen neun Gipfel mit insgesamt 4400 Höhenmetern zu bezwingen waren. Ihr Ziel war eine Stoneman-Trophäe, und zwar die goldene… Was sie bei dieser Tour alles erlebt haben und welches Fazit er zieht, schildert Jan hier:

Foto: Stoneman Miriquidi / P. Schaffer

Die Idee zu unserem gemeinsamen Stoneman-Abenteuer keimte bei meinem Kumpel André und mir bereits im Januar 2018. Ehrlicherweise hatte ich bis dato noch nie vom Stoneman gehört, war aber von der Rundtour über 162 km und neun Gipfel mit insgesamt 4.400 hm durch das schöne Erzgebirge in Deutschland und Tschechien direkt begeistert. Nicht ganz so begeisterte mich der Plan von André, die Tour an einem Tag durchzuziehen.

Auf der offiziellen Homepage https://www.stoneman-miriquidi.com finden sich diverse Infos rund um Strecke, Logispartner und die Startpakete. Je nachdem, wie lange man für die Strecke benötigt, erhält man nach Abschluss eine schöne Trophäe (Gold = 24 Stunden, Silber = 48 Stunden, Bronze = 72 Stunden), wird in die offizielle Finisherliste aufgenommen und hat die Möglichkeit, ein personalisiertes Finishertrikot zu bestellen. Voraussetzung für den ganzen Spaß ist allerdings die Anmeldung über die Homepage inkl. Buchung des entsprechenden Starterpaketes und die nicht ganz unbedeutende Kleinigkeit, die Tour auch in maximal drei Tagen absolviert zu haben.

Es galt also, einen gemeinsamen Termin zu finden. Wir legten uns auf den 4. Juni 2019 fest, trafen uns jedoch bereits am 2.6. in Hof, um noch ein wenig am schönen Untreusee zu entspannen und in Ruhe die restlichen Details zu klären. Bereits vorab hatten wir beide über die Homepage das Starterpaket („Trophy Complete“) gebucht und Start-, bzw. Zielhotel geklärt. Die Strecke kam mit allen aktuellen Umleitungen dann wenige Tage vor unserem Start per Mail.

Sicherheitshalber stellten wir am Tag vor unserem Trip unseren „Rettungswagen“ am Auersberg ab (ca. km 100), deponierten dort noch ein paar Getränke und machten uns auf den Weg zum Hotel. Wir hatten uns für das Best Western in Oberwiesenthal entschieden. Hier konnten wir jeweils gegen einen kleinen Obolus mit dem Wohnmobil parken, nach der Tour ein super Frühstücksbuffet genießen und im tollen Wellnessbereich regenerieren. Das Hotel bot uns zudem noch den entscheidenden Vorteil einer rund um die Uhr besetzten Rezeption für die An- und Abmeldung bei Start, bzw. Ende der Tour. Dort wurden wir sehr herzlich von Frau Krauße in Empfang genommen, die in der Betreuung der Stonemänner ihre Passion gefunden hat. Ihre Frage, ob wir uns wirklich sicher sind, das Ding an einem Tag zu rocken, beantworteten wir selbstbewusst mit einem "Natürlich!!!" und versprachen ihr, bis zum Ende ihrer Schicht um 23:15 Uhr wieder da zu sein. Nicht, dass André oder ich so eine Tour schon mal an einem Tag gefahren wären, weder was die Kilometer, noch was die Höhenmeter betrifft, wobei mein Mitstreiter in diesem Jahr schon deutlich mehr Langdistanzen in den Beinen hatte als ich. Allerdings waren wir beide fit und gesund, und ein Marathonläufer trainiert ja meist auch nicht über die volle Distanz :-).

Nachdem wir von Frau Krauße unsere Starterpakete bekommen hatten, sichteten wir bei einer ordentlichen Nudelportion noch die Karte. Nach ein paar Telefonaten mit unseren Liebsten folgte ein letzter Check der Bikes und des Gepäcks. Nach diesen peniblen Vorbereitungen und mit dem super Plan im Gepäck, das Ganze sehr früh, aber dafür entspannt anzugehen, konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Auch das Gewitter, das am späten Abend aufgezogen war, verebbte so gegen Mitternacht. Wir hatten auch während der Tour richtig Glück, da die Temperaturen meist unter 30 Grad lagen und das Wetter weitestgehend trocken blieb.

Das Frühstück übernahm André, als Spezialist für perfektes Rührei. Anschließend meldeten wir uns gegen 6:15 Uhr mit ein wenig Verspätung im Hotel ab und gingen top motiviert in den ersten Anstieg, nur um nach 250 m den ersten Zwangsstopp einlegen zu müssen („Mein Navi spinnt. Hast Du den Track?“ „Nein.“ „AAAAAhhhrrg ….“). Mein Garmin fand die Strecke dann zwar recht schnell, ich hatte diese allerdings, warum auch immer, in umgekehrter Richtung gespeichert. So kam, was kommen musste. Die erste (falsche) Richtungsänderung, verbunden mit unnötigen 150 hm im Trail bei fast 20 % Steigung. Puls hatten wir danach jedenfalls schon mal… Wir hätten die Augen nur ein wenig mehr aufmachen müssen, da wir auf den ersten Metern bereits an mindestens drei leuchtend gelben Wegweisern vorbei gefahren waren. Nachdem wir festgelegt hatten, dass André auf seinen Garmin schaut und ich auf die Beschilderung achte, lief das Ganze aber deutlich besser.

Nach der ersten Schotterabfahrt folgte leider gleich der nächste kleine Zwangsstopp. An meiner Rollei-Kamera war durch die Vibration der komplette Boden herausgebrochen. Falls sich unter den geneigten Lesern herzensgute Spender finden - über eine GoPro würde ich mich wirklich freuen… :-).

Wir kamen relativ schnell am Bärenstein auf 898 m an und holten uns - yeah!!! - den ersten Stempel. Nach einer kleinen Fotosession, die wir ab jetzt an jeder Stempelstation einlegten, konnten wir endlich die ersten kleinen Trails genießen. Den zweiten Gipfel (Pöhlberg) hinauf hatten wir auch schon die ersten steileren Streckenabschnitte zu bezwingen. Der letzte sehenswerte Teil des Anstiegs schlängelt sich entlang einer alten Bobbahn mit Natursteinwänden. Voller Freude, schon den zweiten Gipfel erklommen zu haben, hätten wir fast das Stempeln vergessen. Die Strecke führte uns nun über den Scheibenberg in Richtung Rabenberg. Unterwegs machten wir am Stoneman-Boxenstop von Familie Bleyl halt, die in ihrem Garten eine kleine Raststation speziell für Stoneman-Fahrer eingerichtet hat. Wir gönnten uns gegen eine kleine Spende ein kühles, alkoholfreies Hefe und etwas Süßes. Am Rabenberg angekommen, hieß es „Sattel runter!“. Das dortige Trailcenter begeisterte uns so sehr, dass wir zwei Tage später wieder kamen, um dort noch einen actiongeladenen halben Tag zu verbringen.

 

Nachdem wir unser Pulver in den Trails des Rabenbergs gründlich verschossen hatten, quälten wir uns (und das kann man leider nicht anders nennen) den Auersberg hinauf. Oben angekommen, gönnten wir uns gut 45 Minuten Pause, André vernichtete in Rekordzeit zwei Kuchenstücke und ich löffelte eine leckere Kartoffelsuppe. Auch wenn wir zeitlich schon deutlich über unserem Plan lagen, stellte sich für uns die Silberfrage eigentlich nicht. Somit wurden am „Rettungswagen“ lediglich die Getränke nachgefüllt und frisch gestärkt ging es über die tschechische Grenze zum Blatenský vrych, der uns die letzten Meter des Anstiegs auf grobem Schotter dann das erste Mal vom Rad zwang. Wir stempelten dort zum sechsten Mal und kurze Zeit später am Plešivec erneut. Inzwischen war es kurz nach 19 Uhr und wir hatten noch zwei Gipfel vor uns, bei denen es sich allerdings um die beiden höchsten des Erzgebirges handelte.

  

Der Klinovec forderte uns entsprechend, und 150 hm vor dem Gipfel führten sowohl der GPS-Track, als auch die Beschilderung ins Nichts. Nach langem Suchen entschieden wir uns, quer über eine Wiese gen Gipfel zu schieben. Zwar hatten wir zwei Lampen dabei, waren aber in Sorge, ob unsere Akkus halten. Evtl. hätten wir also doch eine Lampe mehr einpacken sollen, aber was gibt es denn Schöneres als in stockdunkler Nacht mit seinem Buddy durch Tschechien zu irren... Der Weg, den wir in dem schmalen Lichtkegel dann irgendwann fanden, führte uns wieder bergab, was leider unmöglich sein konnte, da wir noch stempeln mussten. Also kehrten wir um, in Richtung der nun von der anderen Seite des Berges gut sichtbaren, beleuchteten Windräder, in leider nicht unerheblicher Entfernung. Weder umgestürzte Bäume, tief verschlammte Pfade, noch die Dunkelheit konnten uns jetzt noch aufhalten. Und endlich dort angekommen, fanden wir auch die „Stempelmaschine“ am Gipfel. Um 23:16 Uhr riefen wir Frau Krauße an und informierten sie, dass wir unser Versprechen leider nicht würden halten können.

Nach dieser Irrfahrt war es zum Fichtelberg eigentlich nur noch ein Katzensprung. Wir schafften es dennoch, uns erneut zu verfranzen. Als wir dann endlich den letzten Stempel auf unserer Karte hatten, ging es die „Himmelsleiter“ hinab, was mit kleiner Funzel am Rad nicht ganz ungefährlich war. Nach ein wenig mehr als 18,5 Stunden (netto 14:40 Stunden), 166,35 km und 4.481 hm nahmen wir erschöpft aber glücklich unsere goldene Siegertrophäe in Empfang.

 

Fazit:

Die Strecke selbst ist wunderschön und scheint einem alten DEFA-Märchenfilm entsprungen. Ich hatte während der Tour häufig das Gefühl, dass hinter der nächsten Biegung Rübezahl lauert oder Schneeweißchen und Rosenrot mit ihrem Bären stehen.

Fahrtechnisch ist die Strecke auch mit dem Hardtail ohne Schwierigkeiten zu bewältigen. Am Klinovec und am Rabenberg gibt es hervorragende Trails unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade.

Auch die Beschilderung ist sehr gut. Dass wir uns gegen Ende mehrfach verfahren haben, war wohl auch der Müdigkeit und den Lichtverhältnissen (ein Tag nach Neumond) geschuldet. Solche Dinge gilt es bei der Planung ähnlicher Abenteuer wohl zu beachten. Fest steht jetzt schon, dass es nicht unser letzter Stoneman war.


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